Hurra, ich lebe noch!

Puh! Am Schlachthof wäre ich also vorbeigekommen. In so einer Situation juckt einen sonst (fast) nichts mehr.

Puh! Am Schlachthof wäre ich also vorbeigekommen. In so einer Situation juckt einen sonst (fast) nichts mehr.

Liebe Milchtrinker, Käse-, Joghurt- und Fleischesser und alle anderen!

Wenn ich Euch hiermit einen guten Abend wünsche, so ist das heute wahrlich keine Floskel. Denn es ist ein wundervoller Abend: Ich lebe noch, obwohl ich jetzt eigentlich tot sein sollte…

Klingt komisch, hat aber nichts mit Narretei zu tun!

Wäre mein Kälberleben „normal“ verlaufen, dann hätte es heute in einem Schlachthof geendet: Mitten in der Pubertät wäre ich umgebracht worden, weil ich morgen 8 Monate alt werde. Jetzt gleich, um Mitternacht, bin ich nämlich zu alt, um als Kalbsfleisch zerhackt und verkauft zu werden.

Muh, da habe ich Schwein gehabt! R.I.P. steht nämlich bei Tausenden meiner Mitrinder nicht auf einem Grab, sondern für Rest In Pieces.

Meine Mama, eine Milchkuh, hat mich im Sommer zur Welt gebracht. Ich habe sie aber gar nicht wirklich kennengelernt. Rund 20 Minuten nach meiner Geburt hat man uns einfach auseinandergerissen – mein Fell hat sie nicht einmal mehr trocken lecken können. Dementsprechend verzweifelt hat meine Mama gemuht – und ich vor Angst.

Leider ging es all meinen Freundinnen und Freunden genauso, die ab sofort in Boxen – gerade groß genug, um sich umdrehen zu können – neben mir standen und lagen. Denn wir sind Abfall, die Abfallprodukte der Milchfabriken.

Meine Mutter und all die anderen Milchkühe werden jedes Jahr von einem Landwirt mit einem Plastikhandschuh vergewaltigt, also künstlich besamt. Würde sie nicht ständig Kinder bekommen, würde sie keine Milch geben. Und würden wir Kinder alle am Leben bleiben, würde sich jedes Jahr der Viehbestand verdoppeln.

Ich war leider übrig… – mich konnte keiner gebrauchen.

Ich hätte Glück und gleichzeitig Pech haben können, wenn mir dasselbe Schicksal wie meiner Mutter beschieden worden wäre. Ein relativ kurzes Leben lang wäre ich nur als tierisch leistungsfähige Milchmaschine behandelt worden. Vielleicht fünf Jahre lang? Vielleicht auch nur zwei… Aber immerhin!

Dazu habe ich aber offenbar nicht getaugt. Nicht einmal in die Kälbermast habe ich es auf Anhieb geschafft: Ich hatte Würmer und folglich nicht viel auf den Rippen.

So stand ich nicht nur die üblichen zwei Wochen, sondern mit gut vier Monaten immer noch in der Milchfabrik herum. Aber das sollte letztlich meine Rettung sein! Ich bin nicht ins Paradies gekommen, aber auch nicht in die Kühltruhe!

Von den Zufällen, die dazu führten, erzähle ich Euch demnächst!

Keep kuhl,
Eure Muhki