Das illegale Geschäft mit europäischen Vögeln

Wolfgang W., wie er mit einem Netz ein Rotkehlchen aus einer Voliere fängt, das ihm "zugelaufen" ist - es handelt sich also um einen Wildfang.

Vogelhändler Wolfgang W., wie er mit einem Netz ein Rotkehlchen aus einer Voliere fängt, das ihm „zugelaufen“ ist – es handelt sich also um einen Wildfang. Das Bild ist ein Screenshot aus verdeckt gedrehtem Videomaterial.

Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar als Millionengeschäft: Ein Paar des streng geschützten Eisvogels kostet 800 Euro, die rare Wasseramsel gar 1000 Euro pro Tier. Denn die genehmigungspflichtige Gefangenschaftszucht ist geldintensiv. Die Spatzen pfeifen es daher von den Dächern, dass manche „Züchter“ die Natur als Selbstbedienungsladen nutzen. Recherchen von Spiegel-TV und dem Journalisten-Projekt „Tierisch KUHL“ haben das bestätigt: Unter anderem ein Freitaler Vogelhändler ist bei Testkäufen ins Netz gegangen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden gegen ihn: Bei einer Razzia am 10. August musste er Federn lassen.

„Kommen Sie mal rein in mein kleines Reich.“ So bittet Wolfgang W. die Kundschaft auf sein Freitaler Freizeitgrundstück, das reich an seltenen Vögeln ist. Hier sind vor allem europäische Vögel heimisch, die besonders oder streng geschützt sind, wie Bienenfresser und Blauracke, Steinrötel und Spechte. Im Frühjahr 2015 waren es 16 Arten, die W. sein Eigen nannte.

„Vogelschutzrichtlinie gegen die Wand gefahren“

Eine Vogelfalle wie sie ganz legal im Handel ist.

Eine Vogelfalle wie sie ganz legal im Handel ist.

Rosemarie Noeske, die Vize-Präsidentin des Vogelschutz-Komitees, hat den Freitaler schon lange im Visier. Sie beobachtet den Vogelmarkt seit Jahrzehnten. Ende der 70er-Jahre sei es in der Europäischen Gemeinschaft verboten worden, Vögel aus der Natur zu entnehmen, erzählt sie. „Damals waren 20 bis 30 europäische Vogelarten im Handel – inzwischen sind es rund 180.“ Bis heute kämen jedes Jahr neue hinzu, kritisiert Noeske: „Die Europäische Vogelschutzrichtlinie hat man gegen die Wand gefahren.“

In Deutschland verbietet das Bundesnaturschutzgesetz den Fang und den Besitz von „besonders geschützten Arten“ und den Handel mit ihnen. Trotzdem werden sogar streng geschützte Arten offen angeboten und verkauft. So genannte Herkunftsnachweise sollen belegen, dass sie in Menschenhand gezüchtet worden sind. Wer so ein Tier kauft, muss es bei der Artenschutzbehörde melden, die in der Regel in der Landkreisverwaltung angesiedelt ist. Und jene müsste dann kontrollieren, ob es sich nicht doch um Wildfänge handelt.

Bis zu 100.000 Euro Jahresumsatz

Was nach Ausnahmefällen klingt, ist an der Tagesordnung. „Man kann da schon richtig ordentlich ein Geschäft mit machen“, sagte Ornithologe Jörg Lippert gegenüber Spiegel-TV. Er ist beim Brandenburger Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz für den Artenschutz zuständig. „Wenn man im Jahr ein paar hundert Vögel verkauft, dann kommen schon 10.000, 20.000, manchmal sogar 100.000 Euro zusammen“, rechnet Lippert vor. „Das ist also finanziell extrem lukrativ.“

Manche Geschäftemacher setzen auf Massenware: Stieglitze und Dompfaffen für 40 oder 50 Euro das Stück, die sich praktisch in jedem Garten fangen lassen. Für andere ist Weniger mehr: Sie wählen wie Wolfgang W. seltene und daher besonders begehrte Tiere. Bei dem Freitaler findet sich kaum ein Paar, das unter 500 Euro kostet.

Vogelschützerin Noeske ist im vergangenen Jahr auf Wolfgang W. aufmerksam geworden, weil seine Handynummer in den Kontaktdaten eines weiteren Vogelverkäufers aus Freital auftauchte. Vor allem aber, weil er regelmäßig streng geschützte Arten anbot – und das oft mit der Maximalzahl an Tieren, die in einem Gelege schlüpfen können: „3,3 Eisvögel“ beispielsweise – also drei Hähne und drei Hennen.

Behördliche Anerkennung von Wildfängen?

Rosemarie Noeske weiß von Anbietern, die der zuständigen Artenschutzbehörde sogar mehr Jungtiere gemeldet haben, als ihr angebliches Zuchtpaar ausbrüten konnte. Wenn das den Verwaltungsmitarbeitern mangels vogelkundlicher Kenntnisse nicht auffällt, werden illegale Wildfänge auf dem Papier zu legal verkäuflichen Nachzuchten.

Beim Rundgang in W.‘s Anlage fällt ein Rotkehlchen auf, dem offensichtlich ein Partner fehlt, um Junge bekommen zu können: „Ja, das ist mir zugelaufen“, sagt W. – „Sie wissen, was ich damit meine…?“ Er brauche nur die Tür zur Volieren-Schleuse aufzulassen, dann kämen die Vögel zu den Mehlwürmern und er brauche nur noch die Türe zu schließen. „Zugelaufen – das dürfen Sie aber keinem sagen“, betont er.

Ein Rotkehlchen, das Wolfgang W. "zugelaufen" ist - für 20 Euro verkauft er es.

Ein Rotkehlchen, das Wolfgang W. „zugelaufen“ ist – für 20 Euro verkauft er es.

Obwohl er das Rotkehlchen angeblich „wieder rauslassen“ will, verkauft er es anschließend für 20 Euro. „Wir können auch einen Ring draufzimmern, wenn Sie das unbedingt haben wollen. Aber ich kann Ihnen dafür keine Papiere geben.“ Um den Vogel als Nachzucht zu deklarieren, wäre ein geschlossener Ring erforderlich, der regulär nur einem Jungtier über den Fuß geschoben werden kann. Mittels Ringnummer kann zurückverfolgt werden, von welchem Züchter der Vogel stammt.

W. sagt, auf den Herbst hin könne er Jungtiere anmelden. „Dann gibt’s einen offenen Ring. Und dann können Sie Papiere kriegen.“ Er geht demnach davon aus, dass sich die Artenschutzbehörden mit einem offenen Ring zufriedengeben, obwohl geschlossene vorgeschrieben sind.

W. will dem Wildfang vorrübergehend einen anderen Ring anlegen. Den ersten, den er in die Hand bekommt, legt er aber wieder weg: „Da hab‘ ich meine AZ-Nummer drauf.“  AZ steht für die „Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht“, die an ihre Mitglieder Züchterringe ausgibt. Ein Rotkehlchen ohne Herkunftsnachweis aber mit einem auf W. registrierten Ring – „das ist natürlich blöd“, erklärt er. „Selbststeller macht man eigentlich nicht.“ Deshalb wählt er einen Blechring ohne Züchternummer: „Hauptsache es blinkert“ – falls die Artenschutzbehörde mal einen Blick in die Voliere werfen sollte.

Weidner lässt durchblicken, dass dieses Rotkehlchen kein Einzelfall und folglich nicht wirklich zugelaufen ist – es sei sein letztes: „Die wollen immer die Kumpels haben, als Sänger.“ Und was ist mit dem unberingten Dompfaff in der Voliere? „Den hat ein Kumpel gebracht. Auch zugelaufen.“ W. erläutert: „Bei solchen kleinen Sachen geht das immer. Das kannste natürlich nicht bei jedem Vogel anwenden.“

Rotkehlchen und Dompfaff sind Vögel, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz „besonders geschützt“ sind. Noch heikler wird es juristisch bei „streng geschützten“ Arten wie bei Eisvögeln, Mittelspechten, Bienenfressern, Steinröteln, Blauracken, Wendehälsen, Wiedehopfen, Rotkopfwürgern und Raubwürgern, die W. alle gefangen hält. Wer solche Arten wildert und damit handelt, der kann selbst für mehrere Jahre eingesperrt werden.

1000 Euro für ein Paar streng geschützer Raubwürger

Ein streng geschützter Raubwürger in der Hand des Vogelhändlers Wolfgang W. aus Freital.

Ein streng geschützter Raubwürger in der Hand des Vogelhändlers Wolfgang W. aus Freital.

Ein Raubwürger-Angebot des Wolfgang W. ist Rosemarie Noeske im Februar aufgefallen. Zu dieser Jahreszeit halten sich nordische Raubwürger in ihrem deutschen Winterquartier auf. Die Vogelschützerin hat die Rechercheure des Projekts „Tierisch KUHL“ informiert – auf dass sich bei W. ein Kaufinteressent meldet. Die Kontaktaufnahme gelingt: 1000 Euro soll das Raubwürger-Paar kosten. Spiegel-TV investiert das Geld, um die Vögel begutachten lassen zu können.

Die Würger werden Artenschützer Jörg Lippert bei einem Interviewtermin gezeigt. Gleich beim Ersten stellt er fest: „Der ist offen beringt.“ Einen offenen Ring könne man auch einem Altvogel anlegen, den man gefangen habe. Demnach könnte es sein, dass dieser Raubwürger gewildert ist. Das gilt auch für den zweiten Vogel.

In der Vogelauffangstation „Paasmühle“ in Nordrhein-Westfalen werden die Raubwürger bis zur Freilassung untergebracht. Hausherr Thorsten Kestner stellt fest, dass die beiden Tiere hysterisch sind. Gezüchtete Vögel seien in der Regel nicht so panisch, weil sie den Menschen gewohnt seien, merkt er an. Die Raubwürger kommen daher in eine „Gummizelle“ – ein Flexarium. In einer Voliere könne es passieren, dass sie sich den Kopf einrennen, weil sie ständig gegen die Gitter donnern würden, erklärt Kestner.

Wolfgang W. bekommt wenige Tage später die Rückmeldung, dass das Anfängerpech zugeschlagen habe. Der Raubwürger-Hahn sei schon tags darauf gestorben. Da der Ring offen sei, könne er ja aber einem anderen Tier angelegt werden… „Kennen Sie zufällig jemanden, der gerade einen zugeflogenen Raubwürger-Hahn hat, den er relativ günstig verkauft?“

So sieht der Schwanz eines Raubwürger-Wildfangs aus, der in eine Voliere gesperrt wurde.

So sieht der Schwanz eines Raubwürger-Wildfangs aus, der in eine Voliere gesperrt wurde.

Der Freitaler kannte so jemanden – einen Kollegen nahe der polnischen Grenze, wie er sagte. Der wolle ein Paar Raubwürger loswerden. Die Henne habe einen Ring, der Hahn keinen – und folglich auch keinen Herkunftsnachweis.

Beim Kauf stellt sich die Lage plötzlich anders dar: Statt des Hahns ist die Henne ohne Ring. Und beide Vögel haben keinen Herkunftsnachweis. W. sagt, für den Hahn schreibe sein Kumpel noch einen und er werde dann einfach kein Geschlecht eintragen. Damit bei einer Kontrolle nicht auffällt, dass die Henne den Ring des verstorbenen Hahns trägt. Selbst wenn sich Behördenmitarbeiter die Raubwürger genau anschauen würden, könnten sie das Geschlecht nicht identifizieren, ist sich W. sicher: „Die Leute, die da sitzen, die erkennen das nicht.“

Rabatt für einen Wildfang

Ein streng geschützter Raubwürge mit einem offenen Ring. Geschlossene Ringe sind für Züchter vorgeschrieben, weil sie - abgesehen von tierquälerischen Methoden - nur Jungvögeln über die Krallen gestreift werden können. Das soll dann beweisen, dass es sich um eine legale Nachzucht handelt. Wer allerdings Nester ausräubert, kann auch diesen Jungvögeln einen geschlossenen Ring überziehen.

Ein streng geschützter Raubwürger mit offenem Ring. Geschlossene Ringe sind für Züchter vorgeschrieben, weil sie – abgesehen von tierquälerischen Methoden – nur Jungvögeln über die Krallen gestreift werden können. Das soll beweisen, dass es sich um legale Nachzuchten handelt. Wer Nester ausräubert, kann aber auch diesen Jungvögeln geschlossene Ringe überziehen.

Die „nordischen Raubwürger“ stammen laut W. aus Skandinavien. Im Winter kämen sie nach Deutschland: „Wo ist denn der Vogel her, der keinen Ring hat…?“ Vor rund einem halben Jahr sei die Henne seinem Kumpel zugelaufen. Für das gewilderte Tier gibt es Rabatt: Statt 1000 Euro kostet dieses Paar nur 600.

Die Tiere kommen wieder in die Vogelauffangstation Paasmühle. Dort begutachtet sie der Ornithologe Reinhard Vohwinkel, der ehrenamtlich für die Vogelwarte Helgoland tätig ist.  Er diagnostiziert, dass es sich bei dem Raubwürger ohne Züchterring „niemals um eine Nachzucht“ handle. Die Handschwingen seien „total kaputt, der Stoß sowieso“. Und über dem Schnabel ist der Vogel blutig. Alles Indizien dafür, dass er den Käfig nicht von Geburt an gewohnt ist.

Beim zweiten Raubwürger fällt das Urteil des Experten nicht besser aus: „Die ganze Stirn vorne kaputt. Der Schwanz ist auch unter aller Sau.“ Dieser Raubwürger trage zwar einen Ring, aber keinen geschlossenen: „Die müssen einen geschlossenen Ring haben, um zu belegen, dass es eine Nachzucht ist.“

So einfach wird ein Herkunftsnachweis gefälscht

Wolfgang W. hat bei diesem zweiten Testkauf noch mehr Vertrauen zu seinem Kunden gewonnen.  Er präsentiert tote Tiere aus seiner Gefriertruhe – unter anderem einen streng geschützten Eisvogel. 50 Euro will er dafür. Mit der Überlegung konfrontiert, ob man die Papiere und den Ring des Kadavers für die Kennzeichnung eines anderen Tieres nutzen könne, antwortet W.:  „Ja klar, kann man die weiternutzen.“ Den Ring hat er in diesem Fall selbst schon verwendet:  „Das Bein wird ja kleiner, wenn er gefroren ist. Dann nehme ich den Ring wieder runter und zieh den beim nächsten drauf, beim nächsten Jungen. Deswegen hat der keinen drauf. Aber ich würde einen Ring mitgeben.“

Weidner sucht einen passenden Ring aus einer Schachtel heraus: „Wo ist denn die Jahreszahl? Zwei-Elfe, das passt.“ Der Eisvogel wird zur 2011er-Nachzucht erklärt. „Dann schreib‘ ich da einen Zettel dazu. Das kann man nutzen sowas. Das ist nicht das Problem.“ Gesagt, getan. Nach W.‘s Auskunft gibt es gute und weniger gute Formulare, die er offenbar nach Belieben verwendet. In diesem Fall ein weniger gutes: Die Elterntiere sind auf dem Herkunftsnachweis nicht angegeben.

Laut  W. handelt es sich bei dem verstorbenen Eisvogel um einen „jungen Hahn“. Ornithologe Vohwinkel kommt einige Stunden später zu einem anderen Ergebnis: „Das ist ein Altvogel.“

Vogelfallen im offiziellen Handel

Ornithologe Reinhard Vohwinkel, der für die Vogelwarte Helgoland arbeitet, hat die Raubwürger aus den Käfigen des Wolfgang W. begutachtet. Bevor ihnen Ringe der Vogelwarte angelegt und sie in die Freiheit entlassen wurden, ist unter anderem ihr Gewicht erhoben worden.

Ornithologe Reinhard Vohwinkel, der für die Vogelwarte Helgoland arbeitet, hat die Raubwürger aus den Käfigen des Wolfgang W. begutachtet. Bevor ihnen Ringe der Vogelwarte angelegt und sie in die Freiheit entlassen wurden, ist unter anderem ihr Gewicht erhoben worden.

W. zeigt bei diesem zweiten Besuch sogar eine Vogelfalle. Angeblich setzt er sie nur in seinen Volieren ein. „Die gibt’s richtig offiziell zu kaufen“, ergänzt er –  „in Erfurt hole ich die immer“.

In der Erfurter Messe ist regelmäßig die Thüringer Vogelbörse. Tausende Vögel sind dort zum Verkauf in Mini-Käfige gesperrt. Holländische Händler bieten Sittiche und Papageien sogar aus Massentransportboxen an, wo die Tiere so dicht gedrängt kauern, wie man das von Küken in der industriellen Massentierhaltung her kennt. Ein Paar streng geschützter Zwergohreulen kostet hier 400 Euro. Der Veranstalter hat ein Fotografier-Verbot verhängt.

In einer der Verkaufsboxen saß bei der Januar-Börse eine Mönchsgrasmücke mit einem verkrüppelten Fuß. Betroffen ist das Bein, an dem ein geschlossener Ring angebracht ist. Vogelexperte Vohwinkel wird später sagen, dass eine solche Verletzung typisch sei, wenn man einen Altvogel fange, einen geschlossenen Metallring erhitze und über die Krallen zwänge. Ähnlich der Raubwürger verhält sich auch dieses Tier hysterisch. Was im Falle der Mönchsgrasmücke erschwerend hinzukommt: Sie ist ein Zugvogel und will zur Zugzeit buchstäblich durch die Decke.

Auch Wolfgang W. hält Zugvögel, zum Beispiel Bienenfresser. Den Winter in Gefangenschaft überstehen nicht alle schadlos. Einer habe abgefrorene Zehen, berichtet er. Der Vogel befruchte trotzdem „wie eine Eins“.

Die wahrscheinlich größte und bei Vogelschützern wohl berüchtigtste Vogelbörse ist im niederländischen Zwolle. Dort kommen Händler aus ganz Europa, teilweise sogar in Reisebussen. Bei der Frühjahrsbörse 2015 ist auch ein Leipziger Bus vorgefahren.

„Nicht solche blöden Gesetze“ wie das deutsche Wildfang-Verbot

Und was ist das denn? Ein so genannte Habichtsfalle auf dem Dach über dem Hühnerstall.

Und was ist das denn? Ein so genannte Habichtsfalle auf dem Dach über dem Hühnerstall.

Wolfgang W. weiß um die Reize des niederländischen Vogelmarktes: „In Holland gibt’s jeden Vogel. Jeden!“ Denn die Holländer und auch die Belgier hätten „nicht solche blöden Gesetze“. Er umschreibt, was er in Deutschland „total blöd“ findet – das Wildfang-Verbot: „Es werden doch hier nicht 80 Millionen Leute draußen rumstürzen mit einem Käscher. Ist doch Schwachsinn. Das sind einmal solche Verrückte, wie wir’s sind. Und soviel sind wir am Ende auch nicht. Das ist so. Wie gesagt: Bei den Holländern kriegst Du alles.“

Ob Wolfgang W. die September-Börse in Zwolle nutzen kann, ist fraglich. Er hatte am 10. August überraschend einen Staatsempfang auf seinem Volieren-Grundstück. Auch darüber berichtete Spiegel-TV: „Etwa 20 Vögel, Ringe und Unterlagen werden beschlagnahmt.“ W. steht unter Verdacht, gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen zu haben.

Die finanzielle Dimension, in der sich seine Geschäfte bewegten, lässt sich überschlägig berechnen. Im vergangenen Jahr will er insgesamt 24 junge Eisvögel aus vier Gelegen eines Paares gehabt haben – das wäre viermal hintereinander ein maximaler Bruterfolg. Sollte er alle für jeweils 400 Euro verkauft haben, so hätten ihm alleine die Eisvögel einen Umsatz von knapp 10.000 Euro beschert. Und in diese Saison war er sogar mit vier Elterntieren gestartet… – nicht zu vergessen, die jeweils ein bis zwei Paare der anderen 15 Arten.

Hier geht’s zum Fernsehbeitrag von Spiegel-TV:

http://www.spiegel.tv/?t=0m12s#/filme/illegale-vogeljagd-wilderei/